Der Kalender ist voll, das nächste Gespräch steht an, und eigentlich müsste man sich gerade konzentrieren. Dann beginnt dieses Pochen. Das Licht am Bildschirm wird unangenehm, Geräusche drängen sich in den Vordergrund, und irgendwann besteht die wichtigste Aufgabe darin, überhaupt noch durch den Tag zu kommen. Wer Migräne kennt, weiß, dass dahinter wesentlich mehr steckt als ein bisschen Kopfweh.

Im beruflichen Alltag sprechen wir viel über Belastbarkeit, Stress und einen gesundheitsbewussten Umgang mit uns selbst. Mich interessiert dabei auch, welche körperlichen Voraussetzungen wir mitbringen und was unsere Ernährung beitragen kann. Genau hier tauchen seit einigen Jahren die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA in der Migräneforschung auf. Die Ergebnisse sind interessant. Allerdings lohnt es sich, genauer hinzusehen, bevor aus einer Studie die nächste vermeintlich einfache Lösung wird.

Migräne verdient einen genaueren Blick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Typisch sind wiederkehrende, häufig pulsierende Kopfschmerzen, die sich bei Bewegung verstärken können. Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit gehören oft dazu. Unbehandelt dauert eine Attacke bei Erwachsenen gewöhnlich vier bis 72 Stunden. Manche Menschen erleben zusätzlich eine Aura, etwa vorübergehende Sehstörungen. Nicht jeder Kopfschmerz ist deshalb Migräne; wiederkehrende Beschwerden sollten ärztlich eingeordnet werden. [1]

Das ist auch für den Umgang miteinander wichtig. Wer wegen einer Migräneattacke ein Gespräch absagen muss, braucht keine Diskussion darüber, ob er sich nicht doch zusammenreißen könnte. Für mich gehört zu einem vernünftigen Gesundheitsmanagement, Beschwerden ernst zu nehmen und Handlungsmöglichkeiten verständlich zu machen. Ernährung kann dabei eine zusätzliche Perspektive sein. Sie erklärt aber weder jede Attacke noch die gesamte Erkrankung.

Warum EPA und DHA die Schmerzforschung beschäftigen

Fettsäuren sind unter anderem Bausteine von Zellmembranen. DHA kommt besonders reichlich im Gehirn vor. Aus EPA und DHA entstehen außerdem Botenstoffe, die an der Regulation von Entzündungs- und Schmerzprozessen beteiligt sind. Das macht die beiden Fettsäuren für die Forschung interessant. Ein biologisch nachvollziehbarer Mechanismus beantwortet allerdings noch nicht die Frage, ob eine bestimmte Ernährung oder Ergänzung Menschen mit Migräne tatsächlich hilft. [2] [3]

Genau diese Unterscheidung ist mir wichtig: Wir können erklären, weshalb etwas wirken könnte. Ob es im Alltag einen spürbaren Unterschied macht, müssen klinische Studien zeigen. Und selbst ein positives Studienergebnis gilt zunächst für die untersuchte Gruppe, die konkrete Maßnahme und den beobachteten Zeitraum.

Nervenzelle mit vergrößerter Zellmembran: DHA als Fettsäurebaustein sowie EPA und DHA als Ausgangsstoffe für Botenstoffe
KI-generierte IllustrationDHA kann als Fettsäurebaustein in Membranlipiden vorkommen. EPA und DHA sind außerdem Ausgangsstoffe für Botenstoffe. Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Was die Studien zu Omega-3 bei Migräne zeigen

Eine häufig zitierte Untersuchung erschien 2021 im British Medical Journal. 182 Erwachsene wurden für 16 Wochen drei Ernährungsgruppen zugeteilt. Zwei Gruppen erhöhten EPA und DHA; eine davon verringerte zusätzlich die Linolsäurezufuhr. Die Kontrollgruppe orientierte sich an der üblichen amerikanischen Fettsäurezufuhr. Alle führten ihre übliche Behandlung fort und erhielten umfangreiche Lebensmittelunterstützung. [3]

Gegenüber der Kontrollgruppe wurden bei mehr EPA und DHA ungefähr zwei Kopfschmerztage weniger pro Monat beobachtet, bei zusätzlich weniger Linolsäure ungefähr vier. Auch die täglichen Kopfschmerzstunden gingen zurück. Beim vorab festgelegten Fragebogen zur Alltagsbeeinträchtigung, dem HIT-6, war der Unterschied dagegen statistisch nicht eindeutig. Die Kopfschmerztage waren ein sekundärer Endpunkt. Das schmälert ihre Bedeutung für Betroffene nicht, gehört aber zur vollständigen Einordnung: Untersucht wurde eine gezielte Ernährungsumstellung, nicht irgendein frei gekauftes Öl. [3]

Eine kleinere Studie von 2024 untersuchte 70 Menschen mit episodischer Migräne über zwölf Wochen. Unter einem EPA-reichen Präparat sank die Zahl der monatlichen Migränetage im Mittel um 4,4 Tage, unter Placebo um 0,6 Tage. Eine weitere Studie mit 60 aufgenommenen Menschen mit chronischer Migräne fand nach acht Wochen ebenfalls Vorteile bei den Kopfschmerztagen. Der primäre HIT-6-Endpunkt zeigte dort jedoch keinen statistisch eindeutigen Unterschied; außerdem war eine vorbeugende Medikation zwischen den Gruppen ungleich verteilt. Beide Arbeiten liefern Hinweise, aber noch keine verlässliche Vorhersage für den einzelnen Menschen. [4] [5]

Auch eine neuere Veröffentlichung im Jahrgang 2026 beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung, EPA- und DHA-Blutwerten und schmerzbedingten Einschränkungen. Sie wertet allerdings dieselben 182 Teilnehmenden der Ernährungsstudie erneut aus. Das ist eine ergänzende Analyse möglicher Zusammenhänge, keine unabhängige Bestätigung durch eine neue Behandlungsstudie. [6]

Omega-3 ist nicht gleich Omega-3

Vielleicht denkst Du: Ich verwende doch schon Leinöl und esse regelmäßig Walnüsse. Beides liefert vor allem Alpha-Linolensäure, kurz ALA. Unser Körper kann daraus EPA und DHA bilden, allerdings nur begrenzt. Eine ALA-Quelle ist daher nicht mit der direkten Zufuhr dieser beiden Fettsäuren gleichzusetzen. Auch ein geeignetes Mikroalgenöl kann EPA und DHA liefern; manche Produkte enthalten vorwiegend DHA. Auf die Zusammensetzung kommt es an. [2]

Leinsamen und Walnüsse als ALA-Quellen neben einem neutralen Algenöl mit EPA und DHA
KI-generierte IllustrationDie Umwandlung von ALA zu EPA und DHA im Körper ist begrenzt. Geeignete Algenöle liefern EPA und DHA direkt. Schematische Darstellung, keine Produktempfehlung.

Bei Ergänzungen lohnt der Blick auf die ausgewiesenen EPA- und DHA-Mengen pro Tagesportion. Die Gesamtmenge Öl ist etwas anderes. [2] Ich würde außerdem nachvollziehbare Qualitätsinformationen, Haltbarkeit und Lagerung nach dem Öffnen berücksichtigen. Ein Etikett mit großen Versprechen ersetzt diese Angaben nicht. Welche Quelle infrage kommt, hängt auch von Ernährungsweise, Verträglichkeit und persönlicher Ausgangssituation ab.

Deswegen messen wir und raten nicht. Mit einer Fettsäureanalyse in einem unabhängigen Labor schauen wir, wie Deine Versorgung tatsächlich aussieht. Auf dieser Grundlage und im Gespräch über Deine Ernährung prüfen wir, wo Ergänzungsbedarf besteht. Wir ergänzen gezielt dort, wo sich ein Bedarf ergibt, und geben nicht pauschal jedem Menschen die gleiche Menge. Die Auswahl und Menge orientieren sich an Deiner persönlichen Ausgangssituation. [8]

Die in Studien verwendeten Mengen sind keine Dosierungsempfehlung für alle Leser. Höher dosierte Ergänzungen gehören bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme in die ärztliche Abstimmung, insbesondere bei Blutverdünnern. Bei hohen Dosen wurde in bestimmten Herz-Kreislauf-Studien außerdem ein erhöhtes Vorhofflimmerrisiko beobachtet. [2]

Was ein Fettsäureprofil zeigen kann

Ein Fettsäureprofil beantwortet zunächst eine begrenzte Frage: Welche Anteile verschiedener Fettsäuren wurden in der untersuchten Blutprobe gemessen? Bei dem von uns begleiteten Trockenblutverfahren werden laut den vorliegenden Testunterlagen elf Fettsäuren analysiert und daraus sechs Kennzahlen abgeleitet. Das schafft eine Gesprächsgrundlage zur Ernährung und Versorgung. Es ist kein Migränetest. [8]

Bei der Besprechung lohnt sich ein genauer Blick auf die Begriffe. Die im Bericht als Omega-6:3-Balance bezeichnete Kennzahl meint konkret Arachidonsäure geteilt durch EPA, nicht die Summe sämtlicher Omega-6- im Verhältnis zu sämtlichen Omega-3-Fettsäuren. Der ausgewiesene Omega-3-Index fasst EPA und DHA zusammen. Ergebnisse verschiedener Probenmaterialien und Messmethoden dürfen dabei nicht ungeprüft gleichgesetzt werden; die Zielbereiche gehören zum verwendeten Verfahren. [8]

Auch die Bezeichnung „Mentale Stärke“ ist erklärungsbedürftig. Dahinter steckt eine berechnete Verhältniskennzahl. Sie misst weder Resilienz noch Konzentration oder psychische Belastbarkeit. Gerade im Umfeld der Akademie möchte ich solche Begriffe verständlich einordnen. Ein Laborwert darf nicht zu einer Aussage über einen Menschen werden, die das Verfahren gar nicht leisten kann. [8]

Vom Blutstropfen zum verständlichen Gespräch

Für den Test wird zu Hause nach Anleitung eine kleine Blutprobe aus der Fingerspitze auf eine Probenkarte gegeben und zur Laboranalyse versandt. Anschließend besprechen wir den Bericht gemeinsam. Eine mögliche Verlaufskontrolle nach ungefähr 120 Tagen erfolgt sinnvollerweise mit demselben Verfahren. Der Zeitpunkt ist Teil des beschriebenen Begleitkonzepts, kein versprochener Termin für eine gesundheitliche Verbesserung. [8]

Beispielhafte Vorbereitung einer Trockenblutprobe mit Probenkarte und Sicherheitslanzette zu Hause
KI-generierte IllustrationBeispielhafte Testsituation. Maßgeblich ist die Anleitung des verwendeten Verfahrens; gezeigt wird kein persönlicher Befund.

Im Gespräch interessiert mich, wie Deine Ernährung tatsächlich aussieht. Welche Quellen nutzt Du schon? Welche Ergänzungen nimmst Du, und was erwartest Du davon? Gemeinsam lässt sich klären, ob eine Veränderung der Ernährung sinnvoll erscheint, ob eine geeignete Ergänzung infrage kommt oder ob zusätzliche Produkte unnötig sind. Ein einzelner Messwert bestimmt dabei weder den gesamten Nährstoffbedarf noch eine medizinische Behandlung.

Das passt zum Gesundheitsmanagement der Timmerherm Akademie: Ausgangssituation erfassen, Informationen verständlich einordnen und umsetzbare Schritte entwickeln. Bei speziellen Fragen können nach Absprache geeignete Fachpersonen aus dem vorhandenen Netzwerk einbezogen werden. Medizinische Diagnostik und Therapie bleiben Aufgabe entsprechend qualifizierter Behandelnder.

Was im Alltag neben der Ernährung wichtig bleibt

Wer mit Migräne lebt, braucht einen Umgang mit der Erkrankung, der zum eigenen Alltag passt. Die Leitlinie berücksichtigt neben Medikamenten auch Bewegung, Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Ansätze. Ein Kopfschmerzkalender kann helfen, Häufigkeit, Beeinträchtigung und Medikamenteneinnahme gemeinsam mit den Behandelnden zu beurteilen. [7] Ernährung gehört in dieses Gesamtbild, ohne alle anderen Möglichkeiten zu verdrängen.

Für den Arbeitsplatz lassen sich daraus praktische Fragen entwickeln: Sind Pausen tatsächlich möglich? Lässt sich bei einer Attacke eine ruhige Umgebung organisieren? Wie werden Vertretungen geregelt, ohne dass Betroffene jedes Mal um Verständnis kämpfen müssen? Das sind Fragen der Arbeitsgestaltung, keine Diagnose. Ich halte sie gerade für Teams und Führungskräfte für wichtig, weil Gesundheitsmanagement auch davon lebt, wie wir miteinander umgehen.

Zum Thema Pausen möchte ich Dir außerdem den Ratgeber „Mikropausen“ von meiner Kollegin und guten Freundin Barbara Röss empfehlen. Sie zeigt darin mit konkreten Anregungen, wie sich kurze, bewusste Unterbrechungen in den Alltag einbauen lassen. Ich finde das eine hilfreiche Ergänzung, gerade wenn im Arbeitsalltag für Erholung scheinbar nie der richtige Moment ist. Solche kleinen Pausen können einen bewussteren Umgang mit der eigenen Belastung unterstützen.

Persönliches Gespräch über Ernährung, einen beispielhaften Bericht und einen getrennten Kopfschmerzkalender
KI-generierte IllustrationErnährung, Alltag und Beobachtungen gemeinsam betrachten. Die Unterlagen sind symbolisch und enthalten keine echten Messwerte.

Persönliche Einordnung

Genauer hinsehen, ohne zu viel zu versprechen

Die Forschung zu Migräne und Omega-3 eröffnet eine interessante Perspektive auf Ernährung und Schmerz. Sie liefert bisher aber keine allgemeingültige Antwort darauf, wem welche Ergänzung hilft. Für mich ist das ein guter Grund, sorgfältig hinzuschauen: Was ist tatsächlich untersucht? Welche Frage möchte ich für mich beantworten? Und welche nächsten Schritte lassen sich vernünftig begründen?

Wenn Du Deine eigene Fettsäureversorgung besser verstehen möchtest, können wir genau dort beginnen. Wir besprechen zunächst, ob ein Profil zu Deiner Fragestellung passt und welche Informationen es liefern kann. Dazu musst Du weder Fachbegriffe kennen noch schon ein Produkt im Kopf haben. Die Entscheidung darf auch lauten, dass ein Test oder eine weitere Ergänzung im Moment nicht sinnvoll ist.

Quellen & Vertiefung

Wissenschaftliche Grundlagen

Recherche und fachliche Einordnung: 10. September 2026.